Batteriespeicher am Strommarkt: Wie Ihr Gewerbebetrieb Zugang bekommt und Handel und Regelreserve kombiniert

19.10.2026

Im August 2026 lagen zwischen der teuersten und der günstigsten Viertelstunde eines Tages im Median 197,70 Euro je Megawattstunde, Marktgebiet Deutschland und Luxemburg. Diese Zahl ist eine gute Nachricht für jeden Betrieb, der über einen Batteriespeicher nachdenkt. Richtig lesen lässt sie sich mit zwei Zusätzen.

Erstens ist eine Preisspanne der Abstand zwischen zwei Börsenpreisen, aus dem ein Speicher mit Marktzugang eine Rohmarge erwirtschaften kann. Zweitens ist der Handel nur einer von zwei Erlöspfaden: Parallel dazu vergütet die Regelreserve, dass Ihre Anlage Leistung bereithält, und die Erlöse aus beiden Pfaden addieren sich. Dieser Beitrag beschreibt den Weg an den Markt, rechnet ein Beispiel offen durch und zeigt die Kombination beider Pfade auf einer Anlage.

Was der Tagesverlauf eines Strompreises wirklich zeigt
Am 27. August 2026 sank der Strompreis nach einem morgendlichen Hoch auf sein Tagestief von 6,57 Euro je Megawattstunde zwischen 13 und 14 Uhr. Bis zur Stunde zwischen 19.00 und 20.00 Uhr stieg er auf sein Tageshoch von 199,26 Euro je Megawattstunde! Genau diese enormen Preisschwankungen bilden die Grundlage des Speicherhandels: günstig laden, teuer entladen.

Der Strompreis der Day-Ahead-Auktion wird am Vortag für jede Stunde des Folgetages festgestellt. Er schwankt, weil Erzeugung und Verbrauch über den Tag auseinanderlaufen: Mittags drückt die Photovoltaik den Preis, morgens und abends ziehen Arbeitsbeginn und Abendlast ihn nach oben (s. Schaubild unten).

Abb. oben: Tagesverlauf des Day-Ahead-Preises in Euro je Megawattstunde, Marktgebiet Deutschland und Luxemburg, 27.08.2026, Quelle SMARD, abgerufen am 01.09.2026. Die Stundenangabe ist der Beginn der Lieferstunde, Ortszeit. Die dargestellte Preisspanne ist kein Gewinn, sondern der Abstand zwischen zwei Börsenpreisen vor allen Abzügen.

Ein einzelner Tag beweist noch nichts, das Muster schon. Über den ganzen August gemittelt lag das Tagestief im Stundenprodukt zwischen 13 und 14 Uhr bei 33,16 Euro je Megawattstunde und das Tageshoch zwischen 20 und 21 Uhr bei 204,09 Euro je Megawattstunde. Der Abstand ist also kein Ausreißer eines einzelnen Sommertages, sondern kehrt Tag für Tag wieder.


Warum Sie nicht selbst an der Börse bieten

Ihr Betrieb erscheint weder an der Strombörse noch beim Übertragungsnetzbetreiber als eigener Marktteilnehmer, aus einem einfachen Grund. Bei Primärregelleistung, Sekundärregelreserve und Minutenreserve liegt die Mindestangebotsgröße jeweils bei 1 Megawatt, das Angebotsinkrement ebenfalls. Ein Speicher unterhalb dieser Schwelle kann dort kein zulässiges Gebot abgeben.

Genau dafür gibt es Direktvermarkter: Sie bündeln viele Anlagen zu einem Pool, bieten in eigenem Namen und verteilen den angeforderten Sollwert intern auf die Anlagen. Für Sie heißt das Vermarktungsvertrag, fernwirktechnisch erreichbare Anlage und ein geregeltes Stück Verfügungsgewalt, das Sie abgeben.

Bevor der Pool an den Markt darf, steht die Präqualifikation. Sie liegt beim Übertragungsnetzbetreiber der Regelzone, im größten Teil von Nordrhein-Westfalen also bei der Amprion GmbH. Nachzuweisen sind ein IT- und Erbringungskonzept, eine Betriebsfahrt unter realen Bedingungen, ein leittechnischer Test der Datenverbindung und die Bestätigung Ihres Anschlussnetzbetreibers.

Für Batteriespeicher kommt eine eigene Anforderung hinzu. Der Leitfaden Redundanzanforderungen verlangt einen modularen Aufbau von Wechselrichtern und Batteriezellen, und der Ausfall eines Batteriestrangs muss jederzeit kompensierbar sein. Die gute Nachricht für kleinere Anlagen: Diese Besicherung kann poolintern oder über einen Dritten laufen, deshalb kann auch eine Batterie mitbieten, die die Redundanz allein nie darstellen könnte.

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Was sich zum 1. September 2026 bei der Abrechnung ändert

Zum 1. September 2026 gilt eine neu gefasste Modell- und Schnittstellenbeschreibung für die Abrechnung der aFRR-Arbeit. Herausgeber sind die vier Übertragungsnetzbetreiber gemeinsam, Dokumentstand 30. Juli 2026.

aFRR steht für die automatisch abgerufene Sekundärregelreserve. Sie gleicht kurzfristige Abweichungen zwischen Erzeugung und Verbrauch aus. Abgerechnet wird sekundengenau, und den angeforderten neuen Sollwert muss die Anlage innerhalb von fünf Minuten vollständig erreichen.

Für Ihre Anlage folgen daraus zwei Dinge. Erstens zählt Verfügbarkeit unmittelbar in Geld, weil jede Sekunde einzeln bewertet wird. Zweitens entscheidet die Regelgeschwindigkeit darüber, wie vollständig ein Abruf erbracht wird, und dieser Unterschied steckt in der Wechselrichter- und Leittechnik, nicht in der Batteriegröße. Batteriespeicher gehören zu den schnellsten Anlagen im System, und genau diese Stärke wird mit der neuen Abrechnung sichtbar vergütet.


Von der Preisspanne zur Rohmarge: ein offenes Rechenbeispiel

Gerechnet für einen Speicher mit 1.000 Kilowatt Leistung und 2.000 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität, der im August 2026 täglich einmal geladen und entladen hat. Er kauft in den beiden günstigsten Stunden und verkauft in den teuersten, der Round-Trip-Wirkungsgrad ist mit 85 Prozent angesetzt. Nach den Day-Ahead-Ergebnissen der Bundesnetzagentur ergibt das eine Rohmarge von 10.109,76 Euro im Monat, im Median 358,30 Euro je Tag.

Diese Rechnung ist unverbindlich, ihre Annahmen gehören einmal benannt: Anlagenwerte und Zyklenzahl sind gesetzt, die Preise sind auf Stundenbasis gemessen, und weil die Rechnung die günstigsten und teuersten Stunden erst im Rückblick kennt, beschreibt sie den oberen Rand eines Sommermonats, nicht den Planwert eines Jahres. Wie nah ein realer Fahrplan an diesen Rand kommt, ist eine Frage der Vermarktung, und genau dafür gibt es Profis.

Von der Rohmarge gehen belegbare Abzüge ab, und die fallen erfreulich klar aus. Netzentgelte und Umlagen auf die Einspeicherung liegen bei 0,00 Euro, solange die Freistellung nach Paragraf 118 Absatz 6 EnWG und die Befreiung nach Paragraf 21 EnFG greifen; die Freistellung setzt eine Inbetriebnahme bis zum 3. August 2029 voraus, wer plant, hat diese Frist also auf seiner Seite. Der Messstellenbetrieb in der Mittelspannung kostet nach Preisblatt 9 der Westnetz GmbH 487,07 Euro je Jahr netto für Lastgangzähler und Kommunikationseinrichtung plus 90,96 Euro für den Wandler, zusammen 578,03 Euro. Auf 31 Tage entfallen 49,09 Euro, als Zwischenergebnis bleiben 10.060,67 Euro.

Zwei Posten stehen bewusst nicht in dieser Kette: das Entgelt Ihres Direktvermarkters und die Alterung der Batterie. Beide stehen nicht in öffentlichen Statistiken, sondern in Ihrem Vermarktungsvertrag und in den Garantiebedingungen Ihres Lieferanten. Genau diese beiden Posten rechnen wir mit Ihnen durch, bevor Sie unterschreiben, damit aus der Rohmarge ein belastbares Bild wird. Die drei Begriffe bleiben dabei sauber getrennt: Die Preisspanne ist ein Börsenabstand, die Rohmarge das Ergebnis vor Ihren Vertragsposten, und erst danach steht der Nettoerlös.

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Handel plus Regelreserve: zwei Erlöspfade, die sich addieren

Bis hierhin ging es um das erste Erlöskonzept, den Kauf und Verkauf über die Börse. Das zweite ist die Regelreserve, und die funktioniert anders: Vergütet wird dort bereits die vorgehaltene Leistung, bei der aFRR zusätzlich die abgerufene Arbeit. Beide Konzepte laufen parallel auf derselben Anlage, und die Erlöse aus beiden Pfaden addieren sich zu dem, was Ihr Speicher insgesamt einspielt.

Abb. oben: FCR-Zuschlagspreise in Euro je Megawatt und Zeitscheibe von vier Stunden, Regelzone Deutschland, Monatsmittel und Median August 2026, Preisspalte GERMANY_SETTLEMENTCAPACITY_PRICE, Quelle regelleistung.net, abgerufen am 01.09.2026. Mittel und Median liegen in jeder Zeitscheibe dicht beieinander, einzelne Ausreißertage bestimmen das Bild also nicht.


Die Preisprofile der beiden Pfade ergänzen sich über den Tag. Die teuerste Zeitscheibe der Primärregelleistung war im August die von 12.00 bis 16.00 Uhr mit 191,75 Euro je Megawatt im Monatsmittel, und genau in dieses Fenster fällt das Mittagstief der Börse. Während der Handel auf günstige Ladestunden wartet, ist die Bereitschaft in denselben Stunden am wertvollsten. Ein Speicher, der beides bedient, kann das Tagesprofil also nicht trotz, sondern wegen seiner Schwankungen an zwei Stellen nutzen.

Auch negative Börsenpreise passen in dieses Bild. An 12 der 31 Augusttage fiel der Day-Ahead-Preis in mindestens einer Viertelstunde unter null, durchweg in Viertelstunden, die zwischen 9:30 und 16:30 Uhr begannen. Für einen handelnden Speicher sind das besonders günstige Ladezeiten. Negativ ist dabei der Großhandelspreis, nicht Ihre Stromrechnung, denn Netzentgelte, Umlagen, Steuern und das Entgelt Ihres Lieferanten fallen weiterhin an.

Dass eine Kilowattstunde nur einmal vergeben werden kann, ist bei alledem kein Ausschluss, sondern eine Fahrplan- und Auslegungsfrage. Welcher Teil der Kapazität handelt, welcher in der Regelreserve bereitsteht und welcher für die Lastspitzenkappung hinter dem Zähler reserviert bleibt, legt der Fahrplan fest, und der lässt sich planen. Dazu gehört die saubere Mengentrennung: Die Befreiungen gelten für den wieder eingespeisten Anteil, gemischte Nutzung wird nach Paragraf 21 Absatz 4 EnFG je Viertelstunde mess- und eichrechtskonform getrennt. Das klingt nach viel Regelwerk, und genau diesen Sachverhalt übersetzen wir für Sie in eine funktionierende Auslegung.


Ihr Ansprechpartner im Ruhrgebiet

Ruiz & Schneider Elektrotechnik ist seit 1991 Ihr Fachbetrieb für Elektro-, Gebäude- und Netzwerktechnik in Recklinghausen. Seit 2021 planen und installieren wir Batteriespeicher, PV-Anlagen und Lastspitzenkappung und begleiten Sie von der Auswertung Ihres Lastgangs bis zur Inbetriebnahme.

Wir planen herstellerneutral. Welches System an einen Standort passt, entscheidet dessen Lastgang, nicht ein Katalog. Zur Planung gehören neben der Auslegung von Leistung und Kapazität auch die Abstimmung des Mess- und Anschlusskonzeptes mit dem Netzbetreiber, der Aufstellort samt Brandschutz und die Anbindung der Regelung an Ihre vorhandene Leittechnik. Diese Punkte bestimmen den Aufwand eines Projektes oft stärker als der Speicher selbst.

Unser Einsatzgebiet ist das nördliche Ruhrgebiet mit Recklinghausen und Essen, also überwiegend das Netzgebiet der Westnetz, deren Preisblatt diesem Beitrag zugrunde liegt. Für Betriebe außerhalb dieses Gebietes gilt dieselbe Systematik, nur mit dem Preisblatt des dort zuständigen Netzbetreibers. Welcher das ist, klären wir im Vorfeld anhand Ihrer Netznutzungsabrechnung.

Weil der Speicher erst seit 2021 zu unserem Leistungsbild gehört, das Elektrohandwerk aber seit 1991, sehen wir eine Anlage im Zusammenhang mit der vorhandenen Installation: mit der Verteilung, der Absicherung und den Verbrauchern, die die Spitze erzeugen. Welcher Hebel an Ihrem Standort der größere ist, zeigt der Blick in Ihren Lastgang.

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Was Ihr Speicher für den Marktzugang mitbringen muss

Ob Ihre Anlage Erlöse aus Handel und Regelreserve erschließen kann, entscheidet sich vor dem ersten Gebot in der Anlagentechnik. Der Speicher braucht einen Netzanschluss, der die vermarktete Leistung trägt, eine fernwirktechnische Anbindung, über die der Sollwert des Direktvermarkters ankommt, und ein Messkonzept, das die eingespeiste Menge viertelstundenscharf vom Eigenverbrauch trennt. Vertraglich kommen der Vermarktungsvertrag und die Bestätigung Ihres Anschlussnetzbetreibers hinzu. Diese Kette planen und installieren wir, den Handel selbst übernimmt der Direktvermarkter.

Welcher Ertrag darauf aufsetzen kann, hängt an vier Auslegungsgrößen. Die Leistung in Kilowatt bestimmt, welchen Anteil Ihre Anlage am Gebot des Pools stellt. Die nutzbare Kapazität in Kilowattstunden entscheidet, wie viele der teuren Stunden Sie bedienen können. Die C-Rate begrenzt die Leistung nach oben, weil sie festlegt, wie schnell die Batterie ihre Kapazität abgeben darf.

Die vierte Größe ist die Zyklenfestigkeit, denn jeder Lade- und Entladevorgang verbraucht Batterielebensdauer. Dazu kommt der Round-Trip-Wirkungsgrad, den die Rechnung oben mit 85 Prozent ansetzt. Diese Größen richtig zu kombinieren ist Auslegungsarbeit, und sie entscheidet darüber, ob der Marktzugang an Ihrem Standort trägt: Braucht Ihr Speicher die Mittagsstunden für die Lastspitzenkappung oder wird die Fernwirkanbindung aufwendig, gehört das vorab ehrlich auf den Tisch.

Den Speicher selbst planen und installieren wir. Welche Anlagen wir bauen und welche Anwendungsfälle sie abdecken, zeigt unsere Fachseite zum Batteriespeicher.

Für viele Gewerbebetriebe ist der Marktzugang dabei der zweite Hebel nach der Kappung der eigenen Jahreshöchstlast. Wie derselbe Speicher dieses Thema abdeckt, steht auf unserer Fachseite zur Lastspitzenkappung.


Marktumfeld, neutral eingeordnet

Zum Schluss ein Blick auf das Umfeld, als Beschreibung und nicht als Rentabilitätsbeleg. Nach der Aufstellung der Übertragungsnetzbetreiber zum 1. Januar 2026 stellten Batteriespeicher 1,35 Gigawatt präqualifizierte FCR-Leistung nach 0,94 Gigawatt im März 2025, das sind rund 26 Prozent der gesamten präqualifizierten FCR-Leistung in Deutschland. Bei der positiven Sekundärregelreserve waren es 1,20 Gigawatt nach 0,56 Gigawatt, rund 5 Prozent. Die Quelle weist darauf hin, dass eine Anlage für mehrere Produkte präqualifiziert sein kann und die Werte deshalb weder addiert noch als gleichzeitig verfügbare Leistung gelesen werden dürfen.

Auch der Bestand wächst. Nach der Auswertung des Marktstammdatenregisters durch die RWTH Aachen stieg die installierte Speicherkapazität in Deutschland von 23,02 Gigawattstunden am 31. August 2025 auf 32,04 Gigawattstunden am 31. August 2026, also um 39,2 Prozent. Am stärksten legten Großspeicher zu, von 3,22 auf 7,32 Gigawattstunden, Gewerbespeicher wuchsen von 1,20 auf 1,70 Gigawattstunden.


Ausblick: Das erwartet Sie in der nächsten Ausgabe

Fällt das Netz aus, entscheidet sich in Millisekunden, ob Ihre Anlagen weiterlaufen oder stillstehen. Notstrom, Ersatzstrom und unterbrechungsfreie Stromversorgung sind dabei drei verschiedene Dinge, die in Angeboten regelmäßig durcheinandergehen. In der nächsten Ausgabe trennen wir sie sauber und zeigen, was Power Quality mit der Lebensdauer Ihrer Maschinen zu tun hat.